Auf dem Weg von Rheydt nach Rheindahlen oder umgekehrt, führt der direkte Weg durch Voosen/Günhoven. Unweigerlich wird wohl jedem, der die Stadtwaldstrasse mal befahren hat, ein ganz bestimmtes Haus auffallen und in Erinnerung bleiben. Schon vor Jahren fiel dieses Haus mit seinem Riesenbanner mächtig auf. Nun sprach WirFansVomVfL.de mit dem, dafür zuständigen Fanclub, dem Voosener Dorftrupp.
Stellt Euch und Euren Fanclub einmal vor. Wer hat den BFC wann und wo gegründet, wie kam das Ganze zustande? Wieviele Mitglieder habt Ihr?
VDT: Hallo zusammen. Also gegründet haben wir uns am 01.03.2005 in Mönchengladbach auf der Stadtwaldstraße in Voosen/Günhoven, woher dann auch der Name des BFC stammt, obwohl man sich bei uns bis
heute noch nicht einig ist, ob man nun zu Voosen oder Günhoven gehört. Die Initiative zur Gründung des BFC stammt von meinem Bruder Tobias und mir. Wir gingen schon damals alle gemeinsam, mit
unserem dritten Bruder Daniel, unserem Vater sowie ein paar Freunden zu den Spielen des VfL und wie das so ist kamen wir dann irgendwann mal auf die Idee einen Fanclub zu gründen. Wir erkundigten
uns dann bei Borussia nach den Bedingungen und da wir diese alle erfüllten, stand der Gründung des BFC nichts mehr im Wege. Bis auf die Namensfindung. Die Suche nach einem geeigneten Namen
gestaltete sich dann aber schwieriger als gedacht, wollte man nicht wie alle anderen die Wörter „Fohlen“ oder dergleichen verwenden. Irgendwann viel dann aus heiterem Himmel der Name Voosener
Dorftrupp, und da zum damaligen Zeitpunkt 6 von 9 Mitgliedern auf der Stadtwaldstraße wohnten, passte es auch sehr. Die erste offizielle Sitzung wurde wie viele weitere auch, auf der
Stadtwaldstraße abgehalten und diese wurde von uns als „Hauptsitz“ auserkoren. Was man ja heute auch an den Bannern an der Hauswand gut erkennen kann. Nach einem Höchststand von 19 Mitgliedern
haben wir zu Zeit 17 Mitglieder.
Wie ist Eure Mitgliederstruktur? Seit Ihr eher die „Tribünenhocker“ oder „Lauten“ in der Nordkurve?
VDT: Unsere Mitgliederstruktur gliedert sich seit diesem Jahr in Aktive (10) und Passive(7) Mitglieder. Wir haben das „getrennt“, da wir Mitglieder haben, die aus verschiedenen Gründen nicht die
Möglichkeit haben sich regelmäßig aktiv im BFC zu engagieren, diese aber auch nicht ausschließen wollen. Also Tribünenhocker sind wir absolut nicht, bei uns wird eigentlich grundsätzlich
gestanden, denn wie heißt es so schön: Sitzen ist fürn A....
Unter unseren Stadiongängern ist von den Lauten bis zu den eher Ruhigen alles vertreten.
Welche Rituale gibt es in Eurem BFC?
VDT: Unser einziges Ritual ist, dass wir uns bei Heimspielen 3 Stunden vor Anpfiff in unserer Stammkneipe Haus Schroers in Holt treffen, dort in Ruhe ein paar Bierchen trinken und uns über
Fußball, unseren VfL und alles mögliche unterhalten. Dann geht es gemeinsam ins Stadion und nach dem Spiel nochmals ins Haus Schroers auf ein Siegesbier oder einen Frusttrunk.
Erzählt doch mal von den schönsten und prägnantesten Momenten in Eurem BFC.
VDT: Hm, zu den schönsten Momenten gehört auf jeden Fall unsere erste große Auswärtsfahrt zum Pokalspiel in München. Wir fuhren mir 8 Mitgliedern im Kleinbus morgens um sechs Uhr los und waren
fast exakt 24 Stunden später wieder zu Hause. Bei bestem Wetter und super Stimmung, war es den ganzen Tag richtig schön. Abgesehen von der Niederlage.
Weiterer schöne Momente waren die Auswärtsfahrten nach Offenbach und Hamburg mit dem BFC „Alte Liebe“, bei welchem wir jeweils über Nacht geblieben sind und abends noch jede Menge Spaß hatten
.
Sehr gut in Erinnerung geblieben ist auch die Auswärtsfahrt nach Hamburg in der Saison 09/10 als wir nach 15 Jahren endlich mal wieder in Hamburg gewinnen konnten. Nach sehr turbulentem Geplänkel
im Vorfeld des Spiels, positiv wie negativ, auf St. Pauli hatten wir dann mit dem Sieg einen wunderbaren Abschluss des Tages, der alles andere vergessen ließ.
Sehr prägend war das Auswärtsspiel in Köln 08/09, als es im Vorfeld des Spiels vor dem Stadion zu unschönen Szenen kam - Als wir am Eingang im Beisein von Vätern mit ihren Kindern mit Steinen und
Flaschen beworfen wurden und ein eingreifen seitens der Kölner Verantwortlichen ausblieb. Solche Szenen möchte man eigentlich nicht zu sehen bekommen.
Weiter schöne Momente waren natürlich die 1:0 Siege gegen Schalke und Cottbus in letzter Minute. Die dort gelebten Emotionen wird man nie vergessen.
Wie sieht Euer Leben als Borussia Fan aus?
VDT: Gute Frage. In der Woche wie bei jedem anderen Menschen auch denke ich mal. Montags wird natürlich mit den Kollegen über den jeweiligen Bundesligaspieltag diskutiert und die News über
Borussia ausgetauscht. Am Wochenende steht dann natürlich alles im Zeichen des VfL, entweder im Stadion oder zumindest vor dem TV.
Gibt es Freundschaften zu anderen Fanclubs?
Patrick Jingter: Es besteht eine Freundschaft zwischen uns und dem BFC „Alte Liebe“. Wir haben das gleiche Stammlokal und auch schon gemeinsame Auswärtsfahrten mit Übernachtung hinter uns, wie
bereits oben erwähnt nach Hamburg und Offenbach.
Wo sind Eure Plätze im Stadion?
Patrick Jingter: Wir stehen im Block 15 links, links unterhalb der Treppe.
Geht Ihr regelmässig in den Borussia Park? Fahrt Ihr zu Auswärtsspielen?
Patrick Jingter: Wir sind bis jetzt bei jedem Spiel im Borussia Park vertreten gewesen. In der Saison 09/10 hatten 3 Mitglieder und auch ich eine AWDK und waren bei allen Auswärtsspielen dabei.
Generell fahren wir seit der Gründung zu so vielen Spielen wie es uns zeitlich und finanziell möglich ist. Es kommt auch schon mal vor, dass nur ein Mitglied fährt.
Welche Ziele verfolgt Ihr mit Eurem BFC?
Patrick Jingter: Unser Ziel nach der Gründung war und ist es auch noch heute, unseren VfL besser unterstützen zu können, als das es der einzelne kann. In der Gruppe ist es einfach leichter
Auswärtsfahrten zu organisieren usw. Und natürlich macht es Gemeinsam auch mehr Spass.
Was macht für Euch den Mythos und die Leidenschaft zum VfL aus?
Patrick Jingter: Für viele sind es natürlich die Glorreichen 70er. Auch für den einen oder anderen von uns, der diese miterlebt hat. Aber für mich und auch die meistens bei uns, die diese Zeit
nicht erleben durften, fing alles in den 90er an, dem Pokalsieg, dem Abstieg und Wiederaufstieg etc. Wer verstehen will was den Mythos VFL ausmacht muss sich nur die Fanszene in jener Zeit und
auch heute ansehen. Eine solche Unterstützung in Heimspielen und gerade bei Auswärtsspielen gibt es nicht in vielen Vereinen, gerade wenn man bedenkt das wir in den letzten 15 Jahren ja nicht
gerade sportlich verwöhnt wurden. Ein Arbeitskollege (Bayernfan) stellte mir mal die gleiche Frage nach unserem Spiel in Cottbus 08/09 als wir an einem Mittwochabend mit 3000 Fans unseren VFL vor
Ort unterstützten. Als Antwort sagte ich ihm nur: „Fahre einmal mit mir zu einem Auswärtsspiel und du wirst es verstehen“.
Weswegen seid Ihr Gladbach Fans?
Patrick Jingter: Meine Brüder und ich und damit die Gründer des BFC hatten nicht wirklich eine Wahl.
Als Söhne eines absoluten Borussenfan der die 70er mitgemacht hatte, haben wir den Mythos Borussia quasi mit der Muttermilch aufgesogen.
Welche Voraussetzungen bestehen, um Eurem BFC beizutreten?
Patrick Jingter: Die Voraussetzungen sind recht einfach: Sympathie. Nein im ernst, wer bei uns beitreten möchte, kann sich über unsere Homepage mit uns in Verbindung setzen oder sich einfach bei
den Heimspielen zu uns gesellen. Wir haben nicht vor ein riesiger BFC zu werden, aber das eine oder andere Mitglied kann ruhig noch dazu kommen. Ob wir ein Mitglied aufnehmen, wird dann per
Mehrheitsbeschluss geregelt. Ob derjenige männlich oder weiblich, alt oder jung ist, ist uns egal. Voraussetzung ist, dass derjenige zuverlässig und symphatisch ist, natürlich muss er/sie die
Raute im Herzen tragen.
Was macht für Euch das besondere an unserer/m Nordkurve/Stadion aus?
Patrick Jingter: Das besondere an unserer Nordkurve ist ihre Größe und Menge an Stehplätzen und damit das Potential um Stimmung zu machen. Ebenfalls gut ist, dass Borussia, im Gegensatz zu
anderen Vereinen, den Stadionnamen nicht wahllos verkauft. Welcher andere Stadionname hat schon eine solche Identität mit dem Verein! Des Weiteren finde ich die Schlichtheit unseres Stadion sehr
gut, kein Überangebot im Bereich Catering, keine unnötig teure „Verpackung“ des Stadions und damit zu hohe Kommerzialisierung.
Was fehlt Euch in der Nordkurve/im Stadion? Was „stinkt“ Euch?
Patrick Jingter: Materiell gesehen fehlt uns eigentlich nichts im Stadion, alles was das Fußballherz begehrt ist vorhanden, Bierchen, Würstchen, Toilette, gute Sicht aufs Spielfeld. Was braucht
man mehr?
Was würdet Ihr gerne mal, auf die Fanszene bezogen, im Stadion erleben?
Patrick Jingter: Eine durchgehend gute Stimmung würden wir gerne mal erleben. Das mal wieder die „gesamte“ Nordkurve mitmacht und dass man nicht schräg angesehen wird, wenn man mit vier bis acht
Mann versucht Stimmung zu machen Dass der Rest nicht mit verschränkten Armen neben einen steht. Wenn dann die gesamte Kurve an einem Strang zieht, bekommt man auch viel leichter den gesamten
„Park“ dazu mitzumachen.
Was hättet Ihr gerne, im Nachhinein betrachtet, vom Bökelberg mit in den Borussia Park genommen?
Patrick Jingter: Ganz klar die Stimmung, die dort herrschte, als man noch sprichwörtlich der 12 Mann war. Daran muss die Fanszene und damit jeder einzelne arbeiten.
Weitere Interviews und Berichte findet Ihr hier
Wie steht Ihr zu der Diskussion rund um die Legalisierungsversuche von Pyrotechnik im Stadion?
Patrick Jingter: Wir sind ganz klar dagegen! Es ist gerade im Fußball, wo sehr viele Emotionen herrschen nicht kontrollierbar und damit nicht sicher. Darüber hinaus ist es eh gesetzlich
verboten.
Wo findet man Euch im Internet?
Patrick Jingter: Uns findet man unter der Adresse: www.voosenerdorftrupp.de
Möchtet Ihr noch etwas loswerden?
Patrick Jingter: Wir möchten uns für die Möglichkeit uns hier vorstellen zu können bedanken und wünschen allen Fans des VfL noch eine schöne und erfolgreiche Saison.
das Interview führte Lars Päffgen
